• Felix Schmid

Eignerprogramme - der einfache Weg zur eigenen Yacht?

Jeder der unsere Leidenschaft fürs Segeln teilt hat wohl schon einmal mit dem Gedanken gespielt, selbst stolzer Besitzer einer Segelyacht zu werden. Solange sich das Hobby auf eine Woche Segeln im Mittelmeer beschränkt, erscheint das Chartern noch als die beste Lösung. Will man jedoch die Möglichkeit haben, öfter und spontaner oder deutlich länger am Stück zu segeln, führt kaum ein Weg an der eigenen Yacht vorbei.


Das Angebot der Charteranbieter, Kauf und Betrieb über sie abzuwickeln (oft “Eignerprogramm” oder “Yacht Invest” genannt), erscheint erst einmal wenig verlockend: Eine so große Investition zu tätigen, nur damit anschließend die geliebte Segelyacht große Aufkleber verpasst bekommt und an oft wenig erfahrene Segler verliehen wird? Das hat wenig mit der ursprünglichen Traumvorstellung zu tun.


Beschäftigt man sich jedoch etwas intensiver mit der Möglichkeit, komplett selbst für die eigene Yacht verantwortlich zu sein, so zeigt sich schnell:

  • Man steht mit wichtigen Entscheidungen alleine da - Welches Modell soll ich in welcher Ausstattung anschaffen, was ist dabei ein fairer Preis?

  • Sich um eine Yacht zu kümmern bedeutet viel Arbeit - Wartung, Pflege, Einwintern und beim selbst verchartern, der Betreuungsaufwand für Kunden (Checkin/Checkout etc.) ist nicht zu unterschätzen

  • Kann ich aufgrund räumlicher Distanz, Zeitmangel oder fehlender Kenntnisse nur wenig an der Yacht selbst machen, so kommen hohe Kosten auf mich zu - zusätzlich zu den Stellplatzgebühren und hohen Preisen für Ersatzteile

Der Gedanke, diese Kosten über Chartereinnahmen zu Decken und einen Teil der Verantwortung in die Hände eines erfahrenen Partners zu geben, liegt also durchaus nahe.


Wie funktionieren die Eignerprogramme?

Auch wenn sich die Modelle der Vercharterer in ihren Details unterscheiden, so lassen sie sich doch alle auf drei grundlegende Varianten zurückführen:

  • Fixes Einkommen: Es wird eine vorher festgelegte Miete vom Charterunternehmen an den Eigentümer gezahlt.

  • Kaufoption: Der zukünftige Eigentümer zahlt einen Teil des Kaufpreises an und erhält nach Ende der Laufzeit (ggf. verbunden mit einer weiteren Zahlung) die Yacht.

  • Auf eigene Rechnung: Der Eigner trägt im Gegensatz zu den beiden anderen Modellen alle Kosten selbst, erhält dafür aber auch einen großen Teil des erwirtschafteten Umsatzes.


Bei allen Varianten hat man selbstverständlich die Möglichkeit, seine eigene Yacht für eine bestimmte Zeit im Jahr selbst zu nutzen.




Vergleich ausgewählter Anbieter

Ich habe mir konkret die Angebote von drei Unternehmen angesehen. Meine Auswahlkriterien waren dabei eine gewisse Firmengröße, langjährige Erfahrung am Markt und eine große Auswahl an Basen.


Dream Yacht Charter

Mit über 1000 Yachten im Programm ist Dream Yacht Charter einer der größten Anbieter am Markt. Besonders beeindruckend ist dabei die Auswahl aus über 50 Locations weltweit. Das schließt auch exotische Locations wie Brasilien oder Madagaskar mit ein, was den Anbieter für mich als passionierten Weltenbummler besonders spannend macht!


Als Eignerprogramme werden in verschiedenen Ausprägungen alle oben genannten Modelle angeboten (Details siehe Vergleichstabelle unten). Bei den bis zu 12 Wochen Eigennutzung ist zu beachten, dass nur ein Teil davon in der Hochsaison genutzt und auch nur ein Teil länger im voraus gebucht werden kann.

Für das Programm “Performance” gilt dies nicht: Man handelt dabei auf eigenes unternehmerisches Risiko und hat damit die Freiheit, seine eigene Yacht so lange selbst zu segeln, wie man will. Das schließt auch den Umzug in andere Reviere nach Abschluss einer Saison mit ein. So lässt sich theoretisch sogar eine zweite Hochsaison in der Karibik nach einer durchlaufenen Saison im Mittelmeer realisieren, wenn man sich die Atlantiküberquerung zutraut!

Gebrauchte Segelyachten sind bis zu einem Höchstalter von 5 Jahren erlaubt, müssen aber über Dream Yacht Charter erworben werden. (Nicht möglich im Programm mit festem EInkommen). Das Branding der Yacht ist im Vergleich zu Wettbewerbern eher dezent gehalten und kann im Programm “Performance” sogar ganz entfallen - sicherlich von Vorteil für alle, die ein Foto ihrer Yacht auf ihren Schreibtisch stellen wollen :-)

Bei allen Programmen gilt: Segeln ist statt auf der eigenen Yacht auch auf einer gleichwertigen Yacht in einem anderen Revier möglich, was bei der großen Auswahl an Basen einen enormen Vorteil darstellt.




The Moorings / Sunsail

Sunsail und Moorings gehören beide zum TUI-Konzern und verchartern insgesamt 1500 Yachten, was sie zusammen zum größten Anbieter auf dem Markt macht. Moorings ist dabei traditionell stärker in der Karibik vertreten, während Sunsail auch verstärkt im Mittelmeer aktiv ist.

Bei den angebotenen Eignerprogrammen unterscheiden sich beide Anbieter nur im Branding der Yacht (das im Vergleich zu Mitbewerbern deutlich auffälliger gestaltet ist). Zur Auswahl stehen zum einen ein Programm mit festem Einkommen und fester Laufzeit, sowie ein Programm mit Kaufoption zu reduzierten Preisen. (Details siehe Tabelle)

Für beide Programme gilt, dass entweder die eigene Yacht oder eine vergleichbare auf einer anderen Basis bis zu 12 Wochen im Jahr genutzt werden kann. Ähnlich wie bei Dream Yacht Charter kommt es jedoch darauf an, ob in der Hoch- oder Nebensaison gesegelt wird, was mit einem Punktesystem geregelt wird. Da die Hälfte der Punkte mit kurzfristigen Buchungen (weniger als 16 Tage Vorlauf) verbraucht werden muss, könnte es sich bei einer weiten Anreise und beruflichen Verpflichtungen schwierig gestalten, die Punkte wirklich zu nutzen.



Pitter

Pitter yachtcharter ist zwar von den drei vorgestellten Firmen der kleinste Anbieter, hat jedoch laut eigenen Angaben mit mehr als 500 Yachten auf 28 Basen in 8 Ländern eine Präsenz am Markt, mit dem er sich vor den anderen nicht verstecken muss. Vor allem in Kroatien ist der in Österreich beheimatete Anbieter stark vertreten.

Ein Yachteignerprogramm wird für die Türkei, Griechenland und Kroatien angeboten. Im Gegensatz zur Konkurrenz trägt man bei den Investmentmodellen von Pitter das unternehmerische Risiko immer selbst, auch beim Mietmodell, dessen Zahlungen hier jährlich an die tatsächlichen Buchungen angepasst werden. Dafür profitiert man von einer niedrigen Agenturprovision von lediglich 20% der Chartererlöse. Auch gebrauchte Boote werden, unter Vorbehalt einer eingehenden Prüfung auf Zustand und Ausstattung, bis zu einem maximalen Alter von 7 Jahren ins Charterprogramm aufgenommen. Bei einer Neuanschaffung der Yacht sind die Modelle so gestaltet, dass keine Mehrwertsteuer auf den Kaufpreis fällig werden. Lediglich der Restwert nach Ende der Programmlaufzeit muss je nach Anschlussverwendung versteuert werden.


Überblick über die Anbieter

In der folgenden Tabelle könnt ihr noch einmal die Konditionen der jeweiligen Modelle aller Anbieter im Detail vergleichen.


Wenn ihr ernsthaft darüber nachdenkt, in ein Eignerprogramm einzusteigen, dann kann ich euch nur ans Herz legen, die ganze Sache einmal selbst durchzurechnen. Die Rechenbeispiele der Anbieter ignorieren in der Regel sowohl die Inflation, als auch die mit der Investitionssumme erwirtschaftbaren Zinserträge in anderen Anlageformen, wie Aktienfonds. Ich schicke euch auf Nachfrage gerne meine Kalkulationen, möchte sie jedoch hier nicht veröffentlichen, da mir die Unbekannten (neben der zukünftigen Entwicklung im Markt generell auch der zukünftige Wiederverkaufswert) dabei einfach zu groß sind.



Mein Fazit


  • Die Eignerprogramme lohnen sich vor allem, wenn man jedes Jahr mehrere Wochen Zeit fürs Segeln hat und am Besten noch plant, in ein paar Jahren auf Langfahrt zu gehen. Dann muss man sich keine Sorgen um den Wiederverkaufswert machen

  • Zwar bieten die erfahrenen Anbieter eine professionelle Wartung und viel Hilfestellung, gerade für Menschen die noch nie zuvor eine Yacht besessen haben, jedoch ist auch mit hohem Verschleiß durch das Chartergeschäft zu rechnen.

  • Um den Kauf der Yacht als reines Investment zu tätigen wären mir persönlich, die Unbekannten (Inflation, Wiederverkaufswert und zukünftige Nachfrage) im Moment zu groß.


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